Prof. Dr. Windorfer zu Impfungen bei Immungeschwächten

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Prof. Dr. Adolf Windorfer von der Niedersächsischen Gesellschaft für Impfwesen und Kindesschutz. (Foto: Privat)

Immungeschwächte Menschen benötigen vor allem einen Schutz vor einer Infektion mit SARS-CoV-2. Doch was ist sonst noch zu bedenken?  Mit welchem Abstand zu einer Booster-Impfung gegen SARS-CoV-2 bei alten und immungeschwächten Personen können Impfungen gegen Influenza und Pneumokokken durchgeführt werden? Antworten darauf gibt Prof. Dr. Adolf Windorfer von der Niedersächsischen Gesellschaft für Impfwesen und Kindesschutz in einem aktuellen Beitrag.

Frage 1: Immungeschwächte Menschen benötigen doch vor allem einen Schutz vor einer Infektion mit SARS-CoV-2. Ist denn noch etwas Anderes zu bedenken?

Prof. Windorfer: Auch wenn sich gegenwärtig anscheinend alle Diskussionen um den Schutz vor einer Corona-Infektion drehen, so ist gerade bei immungeschwächten Menschen ein Schutz, z. B. vor einer Lungenentzündung durch andere Erreger mindestens ebenso wichtig. Die Patienten müssen daran erinnert werden, dass ...

  • bei einer Influenza-Infektion nicht selten z. B. bakterielle Pneumonien auftreten. Eine Influenza-Infektion wird zwar über die Atemwege übertragen, es ist aber eine generalisierte Infektion. Sie kann auch bei jüngeren Patienten zu Herzinfarkten und Schlaganfällen führen. Dies gilt besonders für alle immungeschwächten Personen:
    • Personen mit chronischen Grunderkrankungen oder einer Immunschwäche erhalten einen quadrivalenten inaktivierten Impfstoff.
    • Aufgrund einer geringfügigen, aber signifikanten Überlegenheit der Impfeffektivität bei älteren Menschen wird für alle Personen über 60 Jahre ein quadrivalenter Hochdosis-Impfstoff empfohlen.
  • Auch eine Infektion mit den verschiedenen Pneumokokken-Erregern kann bei immungeschwächten Personen leicht zu einer Pneumonie führen. Bei allen immungeschwächten Personen, vor allem aber ab dem 60. Lebensjahr, ist daher unbedingt eine sequentielle Impfung zu empfehlen mit Prevenar 13 und Pneumovax (zeitlicher Abstand mindestens 6 Monate).

Es ist dringend erforderlich, dass alle immungeschwächten Personen an den so wichtigen Schutz vor einer Influenza-Infektion und vor einer Pneumokokken-Infektion so bald wie möglich erinnert werden und an ihm teilhaben können.

Frage 2: In welchem Abstand zu einer demnächst wahrscheinlich durchzuführenden dritten Impfung gegen SARS-CoV-2 bei alten und immungeschwächten Personen können Impfungen gegen Influenza und Pneumokokken durchgeführt werden?

Prof. Windorfer: Noch bis vor wenigen Tagen war die Vorgabe der STIKO, zwischen der Impfung gegen SARS-CoV-2 und allen anderen Impfungen immer einen Abstand von mindestens 14 Tagen einzuhalten. Dies gilt nicht mehr. Das bedeutet, die STIKO ist von ihren Vorbehalten abgerückt. Im Prinzip können daher auch andere Totimpfstoffe, z. B. gegen Influenza und Pneumokokken – wenn auch an unterschiedlichen Injektionsstellen – gleichzeitig mit einer Impfung gegen SARS-CoV-2 gegeben werden. Da dann bei „immunschwachen Patienten“, also auch alten Menschen, die Immunantwort aber möglicherweise schwächer sein könnte, wäre ich noch zurückhaltend mit der gleichzeitigen Gabe. Ein Zeitabstand von 14 Tagen nach der Impfung gegen SARS-CoV-2 wäre aus meiner Sicht derzeit noch sinnvoll. Warten wir doch lieber noch ein paar Studien zum Erfolg von gleichzeitigen Impfungen bei immungeschwächten Personen ab. Unabhängig davon können eine Impfung gegen Influenza und eine gegen Pneumokokken (Prevenar 13 bei sequentieller Impfung) natürlich weiterhin diesen Patienten gleichzeitig gegeben werden.

Und diese beiden Impfungen sind gerade jetzt besonders wichtig!


 

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